Ein KI-Lernzettel ist ein guter Anfang. Lernen wird er erst, wenn du dich damit abfragst.
Du hast 180 Folien aus zwölf Vorlesungen, die Klausur ist in drei Wochen, und dein Skript liest sich wie ein Telefonbuch. Eine KI kann daraus in Minuten einen Lernzettel machen. Das spart Zeit beim Sortieren. Ob du danach mehr weißt, hängt davon ab, was du mit dem Zettel anstellst.
Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du mit KI aus Folien, PDFs und Skripten einen Lernzettel erstellst, der stimmt, wie du ihn gegen die Quelle prüfst und wie du ihn in Übung verwandelst. Danach findest du einen fairen Überblick über Tools, die das können, und die Frage, ob du Vorlesungsfolien überhaupt hochladen darfst.
acemate ist selbst Anbieter einer Lern-App. Wir beschreiben jedes Tool anhand seiner öffentlichen Dokumentation, Stand: Oktober 2026.
Warum ein KI-Lernzettel allein nicht reicht
Ein Lernzettel verdichtet Stoff. Das ist nützlich, um einen Überblick zu bekommen. Als Lernmethode ist reines Zusammenfassen aber schwach. Eine große Übersichtsarbeit zu zehn verbreiteten Lerntechniken stuft Zusammenfassen, Markieren und erneutes Lesen als Techniken mit geringem Nutzen ein. Hohen Nutzen haben zwei andere: sich selbst abfragen und über mehrere Tage verteilt wiederholen (Dunlosky et al., 2013).
Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein klassisches Experiment. Studierende, die einen Text wiederholt lasen, schnitten nach fünf Minuten etwas besser ab. Nach einer Woche erinnerten sich die, die sich abgefragt hatten, an 61 Prozent des Inhalts. Die Lese-Gruppe kam auf 40 Prozent, obwohl sie den Text viel öfter gelesen hatte (Roediger & Karpicke, 2006). Eine Metaanalyse über 272 Effektgrößen bestätigt: Üben mit Tests schlägt erneutes Lesen (Adesope et al., 2017).

Dazu kommt ein zweites Risiko. In einem Feldexperiment mit rund 1.000 Schülerinnen und Schülern verbesserte ein freier Zugang zu GPT-4 die Ergebnisse beim Üben deutlich. Ohne KI schnitten dieselben Lernenden in der Prüfung danach schlechter ab als die Kontrollgruppe (Bastani et al., 2025). Wer die KI denken lässt, lernt weniger. Der Lernzettel ist deshalb Werkzeug für den Einstieg. Die eigentliche Arbeit beginnt danach.
In fünf Schritten vom Foliensatz zum Lernzettel
- Portioniere das Material. Lade eine Vorlesung oder ein Kapitel pro Durchgang hoch. Bei einem ganzen Semester auf einmal fallen Details weg, und die Gewichtung passt seltener zu dem, was in der Vorlesung betont wurde.
- Lass ein Gerüst erstellen. Bitte um Begriffe mit Definition, Formeln mit Bedeutung jeder Variable und die wichtigsten Zusammenhänge. Verlange zu jedem Punkt die Folie oder Seite, aus der er stammt.
- Prüf gegen die Quelle. Öffne für jeden Punkt die genannte Folie. Streich, was dort nicht steht, und ergänze, was deine Dozierenden in der Vorlesung betont haben.
- Bring es in deine Worte. Kürze auf eine Seite pro Vorlesung. Was du selbst umformulierst, hast du einmal durchdacht. Was du nur kopierst, nicht.
- Verwandle den Zettel in Fragen. Mach aus jedem Punkt eine Frage, deck die Antwort ab und frag dich ab. Wiederhole die Fragen nach einem Tag, nach drei Tagen und nach einer Woche. Längere Abstände zwischen den Wiederholungen helfen umso mehr, je länger du dich erinnern musst (Cepeda et al., 2006).
Schritt 5 ist der, der in der Klausur zählt. Wenn du nur Zeit für einen der fünf Schritte hast, nimm diesen.
Prompts, die bessere Lernzettel liefern
Ein allgemeiner Prompt wie „Fass das zusammen“ liefert eine allgemeine Zusammenfassung. Genauer wird es, wenn du der KI sagst, wofür du den Zettel brauchst. Drei Vorlagen, die du anpassen kannst:
Erstelle aus dieser Vorlesung einen Lernzettel für die Klausur.
Gliedere nach den Überschriften der Folien.
Für jeden Punkt: Begriff, Definition in einem Satz, Foliennummer.
Formeln mit Bedeutung jeder Variable.
Lass weg, was nicht in den Folien steht.
Welche fünf Konzepte aus dieser Vorlesung hängen am stärksten
mit den anderen zusammen? Erkläre jeweils, warum, mit Foliennummer.
Stell mir zu diesem Lernzettel zehn Fragen, so wie sie in einer
Klausur stehen könnten. Zeig die Antworten erst, wenn ich antworte.
Der letzte Prompt ist der wichtigste. Er macht aus dem Lernzettel eine Übung. Wenn du Altklausuren hast, gib eine als Beispiel mit, damit die Fragen deren Stil treffen.
Den Lernzettel gegen die Folien prüfen
KI-Tools erfinden manchmal Inhalte. Das passiert auch dann, wenn sie mit deinen Dokumenten arbeiten. Selbst spezialisierte juristische Rechercheprogramme, die nur aus einer festen Quellensammlung antworten, lagen in einer Stanford-Untersuchung in 17 bis 33 Prozent der Fälle daneben (Stanford, 2025).
So prüfst du schnell:
- Jeder Punkt nennt Folie oder Seite, und die Stelle sagt dasselbe.
- Formeln stimmen Zeichen für Zeichen mit der Folie überein.
- Beispiele stammen aus deiner Vorlesung oder sind als allgemeines Wissen erkennbar.
- Nichts Wichtiges fehlt: Vergleich die Überschriften des Zettels mit denen der Folien.
- Fachbegriffe sind die deines Fachs, nicht übersetzte Varianten.
Tools, die zu jeder Aussage die Stelle im Dokument verlinken, machen diesen Schritt viel schneller. Bei allgemeinen Chatbots musst du die Stelle selbst suchen.
Welche Tools Lernzettel aus Folien erstellen
Die Tools unterscheiden sich vor allem darin, was sie aufnehmen, ob sie ihre Quelle zeigen und was nach dem Lernzettel kommt. Alle Angaben stammen aus den öffentlichen Seiten der Anbieter, Stand: Oktober 2026.
| Tool | Stark bei | Achte auf |
|---|---|---|
| ChatGPT, Gemini | Flexible Prompts, jedes Fach, auch Bilder von Folien | Seitengenaue Belege in Dokumenten sind nicht dokumentiert. ChatGPT nutzt Chats laut OpenAI-Hilfe standardmäßig zum Training, das lässt sich abschalten. Bei Gemini hängt es an der Einstellung für Aktivitäten. |
| NotebookLM (seit Juli 2026 Gemini Notebook) | Antwortet nur aus deinen Quellen, Zitate springen zur Textstelle, Karteikarten, Quiz, Audio-Überblicke | Keine verteilte Wiederholung erwähnt |
| Coconote (seit Februar 2026 Teil von Quizlet) | Vorlesungen aufnehmen und daraus Notizen, Quiz und Karteikarten machen | Der Anbieter rät selbst, vorher zu klären, ob die Aufnahme erlaubt ist. Daten gehen in die USA. |
| AlgorEducation | Concept Maps und Mindmaps aus PDFs, Word-Dateien und Links, deutsche Oberfläche, Verarbeitung laut Datenschutzerklärung auf EU-Servern | Belege zur Quelle nicht erwähnt |
| LearnBoost | Zusammenfassungen, Karteikarten mit FSRS, Tutor-Chat mit Seitenzahlen, Probeklausuren, deutsche App | Die Datenschutzerklärung nennt keine KI-Anbieter |
| Memo AI | Karteikarten mit Verweis auf Seite oder Zeitstempel, Anki-Export | Keine deutsche Oberfläche im App Store gelistet |
| Lumivara | Deutschsprachiger Lerntrainer, Karteikarten mit verteilter Wiederholung, Chat über deine Dokumente | Laut Datenschutzerklärung arbeitet es mit KI-Anbietern aus den USA |
Wenn du Vorlesungen aufnehmen willst, sind Aufnahme-Tools wie Coconote die naheliegende Wahl. Wenn du vor allem verstehen willst, wie Themen zusammenhängen, helfen die Concept Maps von AlgorEducation. Wenn du aus Folien direkt üben willst, achte auf Karteikarten mit verteilter Wiederholung und auf Probeklausuren. Einen breiteren Überblick über KI-Tools fürs Studium findest du in unserem Vergleich der KI-Tools zum Lernen. Wer nur aus seinen Quellen arbeiten will, findet weitere Optionen bei den NotebookLM-Alternativen.
Darfst du Vorlesungsfolien in ein KI-Tool hochladen?
Folien, Skripte und Altklausuren sind in der Regel urheberrechtlich geschützt. Wer ein geschütztes Werk in einen Prompt kopiert, vervielfältigt es nach §16 UrhG. Die Ausnahmen für Unterricht und Forschung decken diesen Fall nur begrenzt ab (Universität Bremen). Eine Einschätzung der TU Berlin unterscheidet danach, was das Tool mit deinen Uploads macht: Nutzt es sie zum Training, ist das Hochladen nicht zulässig. Verwendet es sie nur für deine Anfrage, ist es praktisch unproblematisch (TU Berlin, 2025). Die Hochschule München empfiehlt, vorher die Lehrenden zu fragen und keine personenbezogenen Daten einzugeben (HM, Compliance im Studium).
Vier Fragen vor dem Hochladen:
- Nutzt das Tool meine Uploads zum Training, und kann ich das abschalten?
- Stehen Namen, Fotos oder E-Mail-Adressen im Material?
- Haben meine Dozierenden der Nutzung zugestimmt?
- Bietet meine Hochschule ein eigenes KI-Tool an?
Was deine Uni bei Hausarbeiten und Prüfungen erlaubt, ist eine eigene Frage. Darum geht es in unserem Beitrag Ist KI im Studium erlaubt?
Wo sich acemate einordnet
acemate ist eine Lern-App für das Lernen mit deinen eigenen Unterlagen. Du lädst PDF-, PowerPoint- und Word-Dateien hoch. acemate erstellt daraus Zusammenfassungen, die zu jeder Aussage Dokument und Seite nennen, sodass du Schritt 3 direkt an der Quelle machst. Für Schritt 5 erzeugt acemate aus denselben Unterlagen Karteikarten mit verteilter Wiederholung (FSRS), Übungsaufgaben mit KI-Feedback und Probeklausuren, auch im Stil deiner hochgeladenen Altklausuren. Der Knowledge Graph zeigt dir, welche Themen noch schwach sind. Deine Inhalte werden nicht zum Training von KI-Modellen genutzt.
Aufnahmen, YouTube-Videos und Webseiten verarbeitet acemate nicht. Wenn du vor allem Vorlesungen mitschneiden willst, passt ein Aufnahme-Tool besser. Der Einstieg ist kostenlos, mit wöchentlichen Limits.



